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Carl Lambertz

Engel und Geister

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Wittenseer Engel, 1991

Engel und Geister

Engel wurden zum bestimmenden Thema der letzten Jahre. Zwar finden sich schon in den Siebzigern “Musizierende Engel” und geflügelte Phantasiefiguren. Aber erst mit dem großen Ölbild “Engel und Geister über dem Wittensee” von 1990 nahmen Engel und Geister – so auch der Titel eines prächtigen Bildbandes – das Atelier endgültig als Bühne in Besitz.

Die wenigsten treten als die bekannten Flügelmenschen-Schablonen auf. Engel sind in ewigem Wandel begriffen. Der Engel ist die Metamorphose. Und so ist es bezeichnend, daß das große Bild nach und nach mehrmals übermalt und verwandelt die jetzige Gestalt gewann. Carl Lambertz’ Bilder sind ein überzeugender Beleg für die Einsicht, daß wir wahrscheinlich die beste Vorstellung von einem Engel bekommen, wenn wir uns überhaupt kein Bild von ihm machen.

Mit den Engeln im Bunde sind die Geister. Carl Lambertz, der Zauberer und Magier, ruft am liebsten Schutzengel und gute Geister. Diese hat unsere Welt so bitter nötig. Von ihnen sollen sich Betrachter seiner Bilder berühren lassen, bereit zur eigenen Verwandlung.

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Engel begrüßt eine Seele, 1990

Doch eine essentielle Frage für den Künstler bleibt: Wer ist Engel, wer ist Teufel? Carl Lambertz weiß um die ambivalente Ordnung des Schöpfungsplans. Licht und Schatten, Weiß und Schwarz, Gut und Böse, Häßlich und Schön, Liebe und Haß: eine unauflösliche Einheit, Allianz der gottgewollten Harmonie, Yin und Yang, siamesische Zwillinge der kosmischen Balance in unerforschbarem Wandel.

So finden sich in seinem Werk ganz selbstverständlich auch religiöse und keine starr-konfessionellen Themen. Zwar tritt er in hohem Alter aus der katholischen Kirche aus und in die evangelische ein, doch prägen sein Werk und persönliches Leben auch unzweifelhaft Elemente des Buddhismus, die Beschäftigung mit uralten Mythen, Interesse am pluralistischen Zeitgeist und eine unermüdbare kindlich-wache Neugier an nahezu allem einschließlich der Zukunft.

Gynter Mödder

Aus: Die Zeit stand still und verwandelte den Blick, S. 24 ff. Vgl. dazu auch: Engel und Geister. Vorgestellt in Bildern von Carl Lambertz mit Texten von Gynter Mödder, Neumünster: Wachholtz 1991.

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