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Carl Lambertz

Ornamentaler Stil

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Die Familie des Horus, 1962

Ornamentaler Stil

Die Wendung zum “ornamentalen” Stil hatte sich angekündigt. Vorbote inmitten der großen realistisch-geometrischen Stilleben ist ein seltsames Bild, wieder eines der Schlüsselbilder: “Die Familie des Horus”.

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Drei Figuren, 1963

Durch eine Auffächerung geometrischer Formen – in gröberem Farbauftrag mit leichten Einkratzungen – entsteht der Eindruck einer Flachreliefform. Hier werden ägyptische Götterstatuen assoziiert, der falkenköpfige Horus. Der Titel gibt Hinweise. Stilelemente des Surrealismus, der Konstruktivisten, Kandinsky, Klee – das alles mag hier geistern, hat aber nur als künstlerisches Erbe Bedeutung. Entscheidend ist die Entwicklung einer eigenen unverwechselbaren Sprache, der Sprache seiner Bildhieroglyphen, hier mit lyrischem Klang.

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Flugfiguren, 1969

Dieses Bild leitet direkt zu den folgenden Arbeiten über, den “Drei Figuren”, ein Jahr später, 1963 entstanden, und ist im engen Zusammenhang mit der “Familie des Horus” zu sehen. Eine transparente Flächenkonstruktion in dreigeteiltem Aufbau, deren spitzwinklige Dreiecke und Pyramiden von Linienwerk gehalten werden. Im oberen Bildteil erscheinen Kopfformen mit Augenfühlern; sie deuten auf die späteren ornamentalen Köpfe hin. Oben rechts ist ein mittelmeerisches Idol mit Doppelhorn zu sehen – “Statuen geheimnisvoller Geister”, sagt Carl Lambertz.

 
 

Der ornamentale Flächenstil stellt die entscheidende Wende im Schaffen von Carl Lambertz dar. Es entsteht 1969/70 eine Anzahl kolorierter Zinkätzungen wie die “Flugfiguren”. Carl Lambertz sagt zu diesem Bild: “Träume gehen in archaische Welten zurück. Bei den Figuren habe ich an Tiergötter an den Wänden alter Tempel gedacht.”

 
 

Klarer, statischer, konsequenter in der Darstellung einer mechanisierten Welt sind die “Seifenblasenfabrik” und “Flugfiguren”. “Das könnten”, schreibt Hans H. Henseleit, “Kapitelüberschriften für ein exklusives Bilderbuch sein, und wie einzelne Seiten daraus präsentiert sich in exotisch bunten Farben eine reale Welt, symbolistisch verformt und von einer Heiterkeit durchzogen, die die skurrile Zeichensprache auf Anhieb verständlich und liebenswert macht.” (Kieler Nachrichten vom 29.11.1969)

Nicht mehr das unmittelbare Erlebnis ist Ausgang für die Gestaltung, sondern Phantasie, Spieltrieb, Traum, Konstruktion, mechanische Ornamentik, die zur existenten Wirklichkeit werden. Flächenhaft, zweidimensional tauchen sie hier auf, die Köpfe mit den Fühleraugen, die ornamentalen Köpfe – ganz deutlich dann in der Zinkätzung “Musizierende Engel” desselben Jahres.

Aus: Karl-Heinz Hoyer, Carl Lambertz, S. 72 f, 76, 78; dort auch die hier nicht wiedergegebenen Bilder.

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