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Maria Reese

Landschaftsbilder

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Sommertag am Wittensee, 1986

Landschaftsbilder

“Sommertag am Wittensee” – ein Bild,
das Carl besonders gern mochte.
Er schrieb:

Ein großes Rechteck
voller Himmelsbläue,
Blütenblätter und
Schmetterlingsflügel.
Eine Iris strahlt im zarten Violett
und in der Mitte
ein gelber Schmetterling,
der mir den Tag verklärt.

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Fünf Tulpen am Wittensee, 1973

Carl Lambertz

Mein Mann schrieb unter mein Bild:
“Fünf Tulpen schenke ich Dir.
Die zweite von links bin ich, die Dich küsst.”

Maria Reese

Es ist die Landschaft, in der sie geboren wurde, aufwuchs und heute lebt, welche Maria Reese in ihren Bildern immer wieder darstellt: Schleswig-Holstein. Meer, Förde, Strand, Äcker, Wälder, Knicks, das sind ihre Sujets. Und über allem der weite Himmel dieser nördlichen Region.

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Ecke 9, 1971

Zu Beginn ihrer Entwicklung malt sie Landschaften in bunten Farben, mit spielerischer Freude am Detail. Der Kutter “Ecke 9” lädt dazu ein, mitzumachen bei der heiteren Fahrt über die Förde. Auf der Graphik “Kleiner Fischdampfer” von 1970 tuckert nur der Dampfer bunt daher. Die Landschaft ist klare, einfarbige Fläche, ohne Blumen, ohne Bäume. Und dennoch gibt Landschaft dem Bild durch ihre formale Struktur, die sich in schwungvoller Verzahnung von Erde, Wasser und Luft ausdrückt, kraftvolles Leben.

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Kleiner Fischdampfer, 1970

Die scheinbare Reduktion in der Darstellung von Landschaft setzt sich konsequent fort. Später ist es nicht mehr die weite, offene Landschaft, die Maria Reese anregt, sondern die dünne Grenzfläche zwischen Erde und Himmel. Es interessiert sie, wie ein Maulwurfshügel die Kruste durchbricht, wie Blumen nicht nur über der Erde blühen, sondern ihr Leben vom Durchbruch zum Licht beziehen.

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Landschaft, 1981

Zunehmend ziehen Schlichtheit und Einfachheit als ästhetische Leitlinien die Künstlerin an. Und so sind es oft scheinbare Nebensächlichkeiten, flüchtige Eindrücke, die Maria Reese in ihren Bildern behutsam, fast bescheiden, vor dem Vergessenwerden zu bewahren sucht.

Ihre Bilder werden immer leerer, wie sich frühere Bewunderer ihrer Kunst immer distanzierter äußern. Ein Schlüsselbild ist “Landschaft”. Landschaft nicht im Aufblick, als farbige Augenweide, sondern im Querschnitt. Hier wird Landschaft als dünne Haut sichtbar, die sie in ihrer Verletzlichkeit tatsächlich ist.

Ein in diesem Buch nicht abgebildetes Werk zeigt nur noch eine mit dem Bleistift gezeichnete Linie, Grenze zwischen oben und unten. Bestürzend einfach erscheint die Möglichkeit, diese Linie mit einem einzigen Strich auszuradieren. Und so bietet diese Leere eine ergreifende Lehre. Die Paradoxie ist nur scheinbar.

Um im Wirrwarr der unzähligen Informationen eine klare Linie zu erkennen, um möglichst viel zu sagen, wo eigentlich Sprachlosigkeit lähmt, ist es zwingende Notwendigkeit, zur Reduktion zu finden. Unsere so unverständlich gewordene Welt ist nur noch mit Hilfe einfachster Symbole zu entschlüsseln und vielleicht zu begreifen.

Unbewußt vielleicht im oberflächlichen Sinne, aber geleitet vom sicheren Instinkt des künstlerischen Empfindens, bestreut Maria Reese zur Zeit ihr Papier mit kleinen Vierecken, Dreiecken, Sternchen, Punkten.

Es sind keine Detailaussagen mehr, die sie heute bewegen. Sie malt nicht mehr das private Glück einer Iris oder eines Sees. Solcher Wert ist heute vergängliche Vision. Dafür bietet Maria Reese mit ihren “leeren” Bildern Landschaften, die von Botschaften nur so überquellen. Der Funke, der diese Pracht zu prickelndem Leben anzündet, muß die Phantasie des Betrachters sein.

Gynter Mödder

Aus: Landschaften-Ansichten. Bilder von Maria Reese und Carl Lambertz. Text: Gynter Mödder, Rendsburg: Claudius Kraft 1982; dort auch die hier nicht wiedergegebenen Bilder.

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